Wir haben uns einen Van gekauft!

Die Entscheidung war sehr aufregend, aber nun freuen wir uns nur noch, daß wir uns dazu entschlossen haben, diesen Van zu kaufen. Damit beginnt von heute an ein neuer Lebensabschnitt #vanlife

Unser neues Zuhause in spe von vorne, mit unserem eigensten Kennzeichen (zufällig)

Das wissen wir nun alles über unsere neue Kutsche: Es ist ein alter Ford econoline E350 von 1998, er hat einen V10 Triton Motor mit 10 Zylindern, 6.8 Litern Hubraum und unfassbaren 305 PS(!). Noch mehr Details für Motorfreaks sowie die Zündreihenfolge der Zylinder dieses legendären Motors finden sich bei Wikipedia. Er hat ein Automatikgetriebe, eine Klimaanlage und der Fahrersitz ist elektrisch verstellbar.

Der Auspuff ist ziemlich rostig und wird nur noch an einer Schelle mit einem porösen Gummiband gehalten:

Der Auspuff… groß und rostig
Die letzte noch vorhandende von ursprünglich einmal 3 Halterungen

Die beiden anderen vom Werk vorgesehenen Befestigungen sind offensichtlich im Laufe der letzten Jahre einfach vollständig weggerostet. Desweiteren hat die Werkstatt in der pre purchase inspection festgestellt, daß die Scheiben der Vorderbremsen ziemlich dünn sind und die Bremsbacken aufgrund ihres Alters allmählich zerbröseln:

Reifen, Bremsen und Aufhängung

Das waren aber auch schon die wesentlichen Mängel, also nichts, was nicht repariert oder nochmal geschweißt werden könnte und das wird auch gleich am kommenden Freitag in unserer neuen Werkstatt unseres Vertrauens erledigt.

Das Auto, so wie es nun direkt vor unserem Fenster unserer momentanen Behausung steht, wiegt etwa 2740 kg und wird wohl sehr viel Benzin verbrauchen. Der Vorbesitzer hatte uns übrigens nur noch ein paar Liter im Tank mitverkauft… fair enough, Isa hat ihn schliesslich auch nochmal mit Hilfe des Werkstattreports um 400 Kanadische Dollar (CAD) heruntergehandelt. Somit haben wir nur noch $3200 für den Wagen bezahlt, was etwa 2122 € entspricht, der Kurs liegt zur Zeit bei 1 EUR = 1,51 CAD.

Wir haben ihn jetzt das erste mal vollgetankt, da gingen schon mal beachtliche 115 Liter Normalbenzin rein, zack 187 Dollar weg. Wir haben uns bei dieser Gelegenheit auch schon einmal etwas über CO2-Ausgleich informiert, wir vermuten nämlich, daß unsere Reise mit diesem Wagen im Laufe des kommenden Jahres etwa 10000 kg CO2 freisetzen wird. Dazu aber später einmal mehr.

Ein Autokauf in Kanada, zumindest hier in British Columbia, geht sehr schnell und unkompliziert vonstatten. Alles was irgendwie mit Autos zu tun hat, wird in Britsh Columbia nämlich ausschließlich von der ICBC (Insurance Corporation of British Columbia) geregelt. Dazu zählen unter anderem auch Registrierungen, Besitzverhältnisse, Steuern und Versicherungen.

Das hat den großen Vorteil, daß alles in einer Hand liegt. Wir haben den Kauf des Autos, die Ummeldung, sowie die Versicherung inklusive neuer Kennzeichen und Transaktionsgebühren bei einer der vielen Servicestellen in Surrey (Vorort von Vancouver) innerhalb einer halben Stunde erledigt. Wir sind dort zusammen mit dem Verkäufer hingefahren, der Verkäufer hat das zu diesem Zeitpunkt noch ihm gehörende Auto abgemeldet und die Erstattung seiner anteilig zu viel bezahlten Versicherung beantragt. Dann haben wir vor den Augen der Sachbearbeiterin die vereinbarte Summe an Geld an den Verkäufer übergeben und den Wagen auf Isa angemeldet. Da Jonas über 25 Jahre alt ist, darf er den Wagen auch fahren.

Von links nach rechts, Isa, Geld, Schlüssel des Anstoßes, Verkäufer bei einem „Autoplan broker“ der ICBC

In Kanada fällt übrigens bei jedem Autokauf/Verkauf eine purchase tax also eine Transaktionssteuer an, die ein jeder Käufer eines Autos zahlt. Diese Steuer wird selbstverständlich sehr komfortabel auch gleich von der ICBC während des Kaufvorgangs berechnet und einbehalten, was gleichzeitig den großen Nachteil des Monopols der ICBC darstellt. Die Haftpflichtversicherung, die wir für unser neues Auto abgeschlossen haben, hat uns inklusive aller Gebühren und Steuern $3300 gekostet und ist damit teurer als das Auto selbst. Im Zusammenhang mit der ICBC wird das BC wird somit als „Britisch Columbia“ oder eben auch als „Bring Cash“ übersetzt.

Von der Familienkutsche in einen Zweipersonenliebeshaushalt

Nun rauchen unsere Köpfe. Zum einen suchen wir jetzt Platz zum Werkeln und Shops, wo wir günstig Werkzeug leihen können. Und dann gehen uns natürlich den ganzen Tag dutzende Ideen durch den Kopf: wollen wir eine der Rückbänke als Sofa und für eventuelle Mitfahrer drinbehalten (ja/nein), soll das Bett parallel (viel Beinfreiheit) oder senkrecht (wenig Beinfreiheit) zu den Fahrzeugwänden ausgerichtet sein, was brauchen wir für alles für die Küche, brauchen wir einen Kühlschrank (ja), was brauchen wir an Regalen, sollen die momentan eingebauten Filzwände drinbleiben oder wollen wir den Wagen kernsanieren und eigene Verkleidungen einbauen, welchen Fußboden bauen wir ein, der sollte sich im zweifelsfall auch leicht fegen lassen, wollen wir eine Solarplatte für Strom unterwegs installieren (ja/nein), brauchen wir eine mobile Toilette (nein!), brauchen wir einen Spaten (ja), brauchen wir einen Wassertank (ja), und wenn ja, wie groß soll der sein (groß, am besten zwei Tanks)… Seitdem wir uns mit diesen Fragen im Detail beschäftigen, wird uns auch sehr deutlich, welche unromantischen aber lebenswichtigen Fragen das Camping-Leben in der Wildniss mit sich bringt. Das Internet ist natürlich eine große Hilfe, starke Seiten, wo man sich tolle Inspiration zum Basteln sowie rundum Informationen zum Thema van life holen kann sind zum Beispiel https://gnomadhome.com/ und die ganzen Camper bei Instagram unter dem #vanlife.

In eigener Sache

Nachdem das Geld von obigem Foto nun alles weg ist und einer von Euch treuen Lesern ein großes Bedürfnis verspüren sollte, uns vor der Reisearmut zu bewahren, freuen wir uns über Eure Unterstützung.

3 Antworten auf „Wir haben uns einen Van gekauft!“

  1. Als Mama darf ich es ja sagen: „IHR SEID VERRÜCKT!!“

    Kann es sein, dass das Jahr rum ist, wenn ihr mit dem Umbau fertig seid und das dann der Wagen auseinander gefallen ist? Ich hab euch lieb!!!

  2. Allerdings. Bisschen Beklopptheit darf man euch unterstellen! Andererseits find ich das hammer, dass ihr euch das auch gönnt.
    Geldspende gibts keine von mir, aber viel Spaß und alles Gute wünsch ich euch. 😀

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