Unser Plan im Mai

Wir gewöhnen uns langsam an Vancouver, der Jetlag von Hawaii lässt jeden Tag ein bisschen mehr nach und wir schaffen es inzwischen vor 1 Uhr Mittags aufzustehen. Unser Tag beginnt in der Regel mit einem Kaffee im Bett, dann machen wir uns ein kleines Frühstück und anschließend versuchen wir jeden Tag mindestens eine Sache unseres Lebens zu organisieren.

Die Einreise nach Kanada verlief erstaunlich unkompliziert. Am Flughafen gelandet hat uns ein sehr freundlicher Beamter bei der Ausweiskontrolle erklärt, daß wir erstmal in Ruhe unser Gepäck abholen sollen und wo wir dann das Immigration Office finden. Dort sind wir dann auch gleich hin und wir waren wirklich auf alles vorbereitet. Da wir sehr früh morgens ankamen, war am Flughafen auch noch so gut wie nichts los. Das führte zu der absurden Situation, daß wir, völlig allein, durch einen großem Raum mit unzähligen Schaltern laufen mussten, von denen genau ein Schalter mit einer grummelig aussehenden Beamtin besetzt war. Nun rechnen sie im Immigration Office offenbar im Laufe des Tages mit einem Ansturm von Menschen, die einreisen möchten und dafür haben sie diese verschwurbelten Wartenschlangen vom Eingang bis zu den Schaltern vorbereitet. Das heißt, wir liefen erstmal komplett von der einen Seite des Raumes bis zur anderen, grüßten derweil schon einmal die Beamtin, kamen zurück, nickten der Beamtin wieder zu und mussten wieder bis zur anderen Seite des Raumes, inzwischen waren wir der Beamtin so nahe gekommen, daß wir verständlich „Good morning“ sagen konnten und kamen nach einer letzten Runde vom Raumende endlich beim Schalter an. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich mir hier schon lustige Sprüchen verkneifen musste, Monty Python ließ grüßen, es hätte mich beinahe zerissen. Aber die Angst vor einem „Please follow me“ am Flughafen wegen misbehaviour gab mir dann doch ein gehöriges Maß an Selbstkontrolle. Die Beamtin hat unseren Port of Entry Letter und unsere Ausweise genommen und verschwand damit kurz in einem Büro. Nach zwei Minuten kam sie mit unseren fertigen Visa und Arbeitserlaubnissen zurück und wünschte uns einen schönen Tag. Das hat uns erstmal fast umgehauen, um nicht zu sagen misstrauisch gemacht, wir hatten uns nämlich bereits auf ein krasses Verhör vorbereitet. Schliesslich haben wir all die Horrorgeschichten im Internet gelesen, wo die Leute bei der Einreise erstmal komplett die Hosen runterlassen mussten, um zu beweisen, daß sie keine Terroristen sind, keine Verbrecherhistorie haben und außerdem genug Geld mitbringen, um sich nicht durch das Kanadische Sozialsystem schmarotzen zu müssen und sich auf jeden Fall den Rückflug leisten können. Nichts von alledem… Jetzt besitzen wir ein wunderschönes Dokument mit vielen Wasserzeichen, welches uns erlaubt für ein Jahr in Kanada zu leben und fast jede Art von Arbeit aufzunehmen. Es gibt Ausnahmen an Tätigkeiten, welche wir nicht aufnehmen dürfen, das sind unter anderem wortwörtlich folgende: „Employment in businesses related to the sex trade such as strip clubs, massage parlours or escort services“. Schade… Außerdem dürfen wir nicht ohne weiteres als Lehrer oder Kindergärtner oder in medizinischen Bereichen arbeiten. Das finden wir aber wirklich nicht schlimm.

Zur Zeit wohnen wir hochluxuriös zur Untermiete bei einer Familie in einer Villa. Das gibt es hier öfter, da hat eine Familie ein unfassbar großes Haus und dann stellen sie fest, daß sie so viel Platz überhaupt nicht benötigen und dann stellen die Leute ein paar Zimmerchen bei AirBnB rein. Das ist für Backpacker wie uns lustigerweise signifikant günstiger als ein Bett in einem Hostel. Vancouver ist für Budgettraveller wie uns nämlich schmerzhaft teuer.

Isa arbeitet gerne unter großen Leuchtern im Kaminzimmer in schweren, alten Stühlen.

Darum haben wir erste Pläne geschmiedet, wir werden uns entweder einen schönen Camper Van besorgen oder ein großes altes Auto kaufen und es zu einem Camper umbauen und dann dort einziehen, Stichwort: Mobiles Wohnen 🚙 🏕 Dafür stöbern wir zur Zeit auf Craigslist und machen die Gebrauchtwagenhändler in unserer Umgebung ausfindig. Außerdem beantragen wir Briefwahlunterlagen für die anstehende Europawahl, denn auch die große Entfernung zum Alten Kontinent entbindet uns nicht von der Pflicht, dafür zu sorgen, daß wieder ausreichend Komiker ins EU-Parlament Einzug halten können. Wir haben inzwischen eine Social Insurance Number, ein Bankkonto und eine Kanadische SIM-Karte mit 250 MB mobilen Datenvolumen. Jetzt kann uns nichts mehr aufhalten, Kanada, wir kommen 🙂

3 Antworten auf „Unser Plan im Mai“

  1. Es ist schön, wieder von euch zu lesen! Bin mal gespannt, was ihr in Kanada so anstellt! Fühlt euch fest gedrückt!!!

  2. Läuft!

    Aber ob ihr aber irgendwann mal arbeitet, stufe ich unter der Kategorie „sehr fraglich“ ein. 😀

  3. „Sehr fraglich“… das merken wir uns, liebster Seb 🙂 Du wirst noch von uns hören 😜

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